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Wir sind Soldaten des Marktkapitalismus

Österreich ist nichts anderes als zur Zeit der Monarchie.

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Vorigen Samstag fuhr ich nach Austerlitz. Es schien mir der richtige Beginn dieses neuen Krisenjahres zu sein, den Ort der Schlacht bei Austerlitz aufzusuchen. In dieser Schlacht wurde 1805 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als weltlicher Arm der katholischen Kirche in Europa besiegt. Aus Franz II, dem Römischen Kaiser wurde Franz I als Kaiser Österreichs. Die Habsburger hatten 40 Millionen Franc an den siegreichen Napoleon zu zahlen und einige Gebiete an Napoleons Verbündete in Deutschland abzugeben. 16 000 Soldaten waren tot. Der europäische Nationalstaat als weltliche Instanz war in die Politik getreten.

In Austerlitz. Ich stand auf dem Hügel, von dem aus Napoleon seine Truppen zum Sieg führte. Der erste Gedanke. Der erste Gedanke gilt den Toten und Verwundeten. In den Berichten über die Schlacht werden die Toten nach ihrer Nation eingeteilt. 1.288 Franzosen. Der Rest Österreicher und Russen. Die österreichischen Soldaten wiederum kamen aus allen Ländern der Monarchie. Deutsch gesprochen haben wohl nur die Offiziere. Österreicher wurden diese Männer durch die Uniform. Die Uniform war dann der Grund für die anderen, die Waffe gegen den Mann darin zu richten.

Wie ist das heute. Wie wäre das heute. Sind die Uniformen und die Waffen wirklich diese Museumsstücke, auf die wir mit Kopfschütteln schauen. Wie ist das mit den Symbolen und den nationalen Texten, die den Auftrag zum Töten pathetisch verschlüsselt vermittelten. Haben wir die Kulturarbeit geleistet, die diese Aufträge zum Vorschein bringt und uns von ihnen befreit.

In Austerlitz. Ich stellte mir die Toten vor. Hingestreut. Hingeworfen. Die toten Pferde dazwischen. Der Geruch.

Erfahren haben wir von diesen banalen Umständen erst sehr spät. Die Wahrheit über die Politik. Die Wahrheit über die brutale Schändung der Menschen durch den christlichen Feudalismus. Die wird bis heute unter den bestickten Altartüchern der Kirche versteckt. Der Geschichtsunterricht. Jedenfalls der in Österreich. Der verfolgt die Wege der Macht. Wer gegen wen wann welchen Krieg geführt hat. Wer wie gewonnen. Wer wie verloren hatte. Es gab auch immer die Zahlen der Toten. Aber das ist ja eine der Praktiken der Machterhaltung, die Toten in hohen Zahlen vorzuzählen und denen, die die Zahlen hören, Schauer des Entsetzens abzufordern. In Austerlitz entschied sich ja, wofür so ein Soldat sterben sollte. Für die Grand Nation der Franzosen. Für Gott, Kaiser und Vaterland hieß das für den österreichischen Soldaten bis zum Ersten Weltkrieg noch. Ein österreichischer Soldat in Austerlitz. Der mußte die Religion gegen die Aufklärung und Bürgerlichkeit verteidigen. Der mußte gegen Mitbestimmung und Demokratie antreten.

Diese Aufgaben mußte ein österreichischer Soldat bis 1918 erfüllen. Er mußte mit seinem Körper diese österreichisch, katholische Monarchie verteidigen. Während sich rundum in den Nationalstaaten das Bürgertum emanzipierte, blieb das Habsburgerreich übernational. Das war zum Machterhalt notwendig. Die Amtssprache. Das österreichische Deutsch. Es mußte das Bewußtsein einer übernationalen Gesamtstaatlichkeit herstellen können. Diese Sprache zwingt die, die sie sprechen, in eine Verantwortlichkeit. Amtssprachen machen das. Aufgezwungene Amtssprachen noch einmal mehr. Die Sprechmächtigen müssen sich ihrer Berechtigung sehr sicher sein, um aufzwingen zu können. Eine solche Sprache ist dann imperialistisch zu nennen. Die, die sie sprechen sind die Imperialisten. In postkolonialen Zeiten sollte diese Vergangenheit durchgearbeitet werden und die Ergebnisse für Krisen bereitgestellt bleiben. Das ist nicht der Fall. In Österreich nicht.

Der Soldat der europäischen Nationalstaaten verteidigte säkulare Werte. Es ging nicht mehr um Heilige. Es ging um Helden. In der romantischen Konstruktion des Nationalhelden, der die Sprache spricht, die er von seinen Vätern erbte und der auf edle Weise sein Brot als Bauer verdient. Nun. Die Emanzipation des Bürgerlichen führte zu Selbstbewußtsein eines Männlichen. Die Erzählung. Der Text des Nationalen. Des Nationalistischen. Diesen Text durften nun die Künste verkünden. Nicht mehr die Kirche sprach von der Kanzel. In der Oper wurde dieser Text vorgetragen. Im Roman. Im historischen Gemälde. Es gab nur noch das Opfer. Die Erlösung des einzelnen wurde in das Heldentum für den Volkskörper verwandelt. Christliches Martyrium wurde nationalistische Militarisierung. Nicht der österreichische Soldat. Diese Männer blieben im 19. Jahrhundert dem spirituellen Ziel dere Verteidigung einer Stellvertreterschaft Gottes auf Erden verpflichtet.

In Austerlitz. Das heute Slovkov u Brna heißt. In Ort Austerlitz da gibt es ein Schloß. Das ist mit EU Mitteln prachtvoll hergerichtet. Die Kirchen sind renoviert. Die Häuser instand gesetzt. In den Auslagen auf der Hauptstraße ist das Elend der Globalisierung zu sehen. Nichts ist da zu kaufen. Der Penny Markt liegt am Rand von Austerlitz. Dort fahren alle hin. Es ist Samstagnachmittag. In den Supermarkt gehen alle mit gebeugtem Kopf. Resigniert angriffslustig. Unsere Militarisierung läuft ja ganz einfach über den kleinen Preis. Wir werden heute vom Billigkauf zugerichtet und exerzieren bei jedem Einkauf. Unsere Körper müssen nicht mehr in den Krieg. Den haben wir in andere Kontinente exportiert. Aber langsam kommen die Folgen über den Globus zurück. In Austerlitz. 20 Jahre nach dem Kommunismus.

Es rücken alle ein und stellen sich dann an der Kassa in Reih und Glied an. In Slovkov u Brna gab es diese schöne Zeit der 80er Jahre nicht, in denen wir in Westeuropa alles Gute des Systems genießen konnten und das Schlechte gerade weit weg verbannen hatten können, es nicht sehen zu müssen. In Slovkov u Brna gab es in den letzten 20 Jahren kaum die Möglichkeit einen anderen Weg zu denken. Würde. Die Würde der Person wurde wahrscheinlich als bürgerliche Tugend abgelehnt und heute hat sie keiner deshalb. Im Westen wurde Würde in Ablehnung des Kommunismus formuliert. Existiert hat die Würde da genauso wenig. Wenn also nun alle ihre Nacken beugen und im Penny Markt nicht einmal mehr Regale für die Waren haben, sondern wieder vom Boden aufheben müssen. Wenn die Auswahl dann von den Profitzahlen getroffen, da auf dem Boden aufgebreitet ist und alle daran teilnehmen dürfen. Dann sind es ja doch wieder die Körper, die in bestimmte Bewegungen gezwungen werden.

Die Peitschen des Billigkaufs sind lautlos. Alle Emanzipation des Geistes darin zerstört. Wir sind Soldaten des Marktkapitalismus. Jeder und jede für sich. Wir sind als Personen entstaatlicht. Aber. Die Entstaatlichungen benutzen die Motive eben jenes Staates zur Entfremdung der Personen von sich. Enstaatlichung wird in Nationalismus verkleidet und ersetzt die Zugehörigkeit durch Gefühle, die sich nicht einmal in Bürokratischem niederschlagen. Die computerunterstützte Bürokratie nimmt Sinneinheiten wie die Staatsbürgerschaft und reduziert sie auf die Form. In dieser Entfremdung der Bürger in sich selbst haben die Politiker nur noch die Aufgabe, das Vorhandensein des Staates vorzutäuschen.

Gestern. Im Fernsehen. In einer dieser von öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten konstruierten staatstragenden Diskussionen. Es wurde über den Verlust des AAA für Österreich geredet. Da war gar nicht mehr von Österreich die Rede. Da wurde nur noch über die Banken geredet. Es war die Finanzministerin von der christlichen ÖVP eingeladen, die nur immer vom Budget sprach. Auch sie konnte nicht Österreich sagen. Der Staat. Seit der Koalition der ÖVP mit der radikalen Rechten im Jahr 2000 hatte ihre Partei den Staat mitabgeschafft. Das war immer schon das Ziel dieser Partei gewesen. Im Austrofaschismus wollte die Vorläuferin der heutigen ÖVP einen Einparteiengottesstaat errichten. Das austrofaschistische Österreich sollte ein Bollwerk gegen die Linke sein und weit vor die französische Revolution zurückgehen. Glaube und Hoffnung sollten wieder regieren und den Eliten den Rücken freihalten für ihre Machenschaften. Gestern. Ein Experte aus Brüssel wurde belächelt. Die Runde, die aus Bankern und dieser Politikerin bestand. Diese Runde repräsentierte alles, was der Austrofaschismus sich gewünscht hätte.

Der Kapitalismus in der Hand derer, die immer schon die Mittel hatten. Das endet in Feudalität. Dazu kann man die „Leute“ ihre Vertretung durchaus wählen lassen. Ohne rechtliches Bewußtsein der Bürger und Bürgerinnen, daß sie der Souverän sind. Ohne das, braucht man auch die Kirche nicht mehr. Denn. Das was die Kirche in der Schule früher erledigte. Und dann im Militär. Das erledigt die Diktatur des kleinen Preises. Der Markt hat im Preis und seiner Bewerbung ein undurchlässiges Gewebe der Zurichtung über die Personen gelegt. In Österreich folgt dieses Gewebe der Erinnerung der Kirche. Das bedeutet, daß die Personen hier an den kleinen Preis glauben. Alles, was zum kleinen Preis führt. Das wird mitgeglaubt. Es war deshalb nur logisch, daß kein einziges Mal das Wort Demokratie oder die Bezeichnung Österreich in der Fernsehdiskussion ausgesprochen wurden. Auf den ersten Blick sieht das ja auch wie eine Art von Freiheit aus. Wir wollten ja schließlich nicht mehr nationalistisch sein. Übernationales Argumentieren.

Es stellte sich bei der Diskussion heraus, daß es genau um übernationales Agieren der Banken geht. Österreich wurde ja nicht vom AAA abgestuft, weil die österreichische Wirtschaft nicht mehr entspräche. Nein. Die ist ja hervorragend gestellt. Es geht um die Banken und deren übernationales Handeln. Und da zeigt sich, daß die Banken ganz wie die Habsburger Monarchie in Staaten investiert und dem österreichischen Steuerzahler und der Steuerzahlerin die Last der Absicherung der Kredite im „Osten“ zumutet. Kein Wunder, daß kein Politiker sonst in der Diskussion auftrat. Der hätte ja zugeben müssen, daß Österreich nun so etwas wie eine Gespenstermonarchie geworden ist. Nun aber unter der Leitung bürgerlich-christlicher Banken. Österreich ist nichts anderes als zur Zeit der Monarchie.

Ohne Staat sind wir ohne Rechte. Europa ist da nur die letzte Instanz und wird die Rechte nicht sichern können. Ohne Rechte können wir nicht einmal die Reste von Demokratie leben, die der kleine Preis übrig gelassen hat. Die europäische Person wurde ja ihre nationalen Möglichkeiten entlang globalisiert und darin umgebaut. Wieder ist die Frage nach der Würde der Person zu stellen und wie diese Würde überhaupt noch definiert werden kann. Was hilft mir, daß mir die Ausübung von Kunst in den Menschenrechten zugestanden wird, wenn niemand mehr weiß, was das ist. So wie gestern in der Fernsehdiskussion nur noch über Buchhaltung gesprochen wurde und nicht über die Personen, die die roten Zahlen in ihre Körper gebrannt bekommen werden. Der Verlust der Möglichkeit, sich Kultur zu leisten, weil das Geld dafür im Privathaushalt nicht mehr vorhanden ist. Gäste einladen. In eine Landschaft reisen. Sich bewegen. Sich aussuchen, was eine Person sehen möchte. Wohnen. Gesundheit. Ernährung. Das alles wird durch den kleinen Preis bestimmt werden.

In Austerlitz. Der Blick über die schwungvollen Hügeln. Ich dachte an meine Großmütter, deren Männer im Ersten Weltkrieg beide verschüttet worden waren und ihr Leben lang an den Folgen davon gelitten hatten. Die Analyse klingt angesichts dieses Leids kleinlich. Aber. Genau darum wird es gehen. Die Buchhaltungen des Leids wie der Nationalismus sie führte. Diese Buchhaltung, die die Kriege argumentierte, weil eine Nation mehr gelitten hätte als eine andere. Diese Berechtigungsbuchhaltung muß aufgegeben werden. Das fühlt sich wie Verrat an. Dieses Gefühl wird vom kleinen Preis ausgebeutet. „Es geht dir doch ohnehin gut. Du kriegst alles, was du brauchst billig. Andere haben das nicht.“ So formuliert sich das auf der Gebrauchsebene des Alltags. Es geht uns aber nicht gut und wir dürfen mehr fordern, als im Supermarkt billig Beute machen. In einer allumfassenden, nie unterbrochenen Politik des Reaktionären, die die Nation ersetzen mußte und muß. Nie die Grundrechte implementiert. Nie Demokratie gedacht, geschweige denn gelebt. Ein Volk von Supermarktsklaven und Billigreisenden, das die Bedrohung nur noch aus der Preisgestaltung sehen kann. Vielleicht ist das nur einfach früher als in nationalistischen Staaten das, was die Zukunft bringen wird.

In Austerlitz. Soll ich also glücklich darüber sein, daß mir zwar keine Würde mehr zugestanden werden wird. Daß ich keine eigenen Entscheidungen mehr treffen werde können. Daß alles, was ich zur Entwicklung einer Gesamtperson benötige, nur noch als Gesellschaftseremitin leben werde können. Daß Demokratie und Freiheit der Person ein, von der Politik vorgetragenes Märchen sein werden. Daß, nachdem ich meine Steuern abgeliefert habe, ich an den katholisch-faschistischen Formeln des Geschlechts und der Religion gemessen werden werde. Für Österreich ist Austerlitz nicht vorbei. Die Politik jedoch. Wie damals 1805. Es wird intrigiert. Es wird Schuld zugewiesen. Es wird die Verantwortung nicht übernommen. Es wird so getan, als wären es wieder die anderen. Und. An der Macht sind wie damals Personen, die es nicht können und die trotzdem nicht zurücktreten. Oder gerade deswegen.

Irgendwie wird das Leben weitergehen und bei Bestehen auf den Grundrechten. Vielleicht läßt sich in der Krise eine Lücke schaffen, in der sich Gesellschaftlichkeit entwickeln läßt. In der österreichischen Nichtgesellschaft. Als katholisch sozialisierte Person habe ich ja den Auftrag erhalten, die Hoffnung nie aufzugeben. Ich will diesen Auftrag nun einmal benutzen. Obwohl. Viel Hoffnung habe ich trotzdem nicht. Die Barbarei des Österreichischen wird bleiben.